Privatbankier Christof Reichmuth: «Unabhängigkeit lässt sich nicht kopieren»
Von Max Fischer *
Vater Karl legte mit seinem Sohn Christof 1996 den Grundstein für die Reichmuth & Co. Privatbankiers in Luzern. Mit 160 Mitarbeitenden trotzt sie den Herausforderungen erfolgreich: Die verwalteten Vermögen stiegen allein innert Jahresfrist von 14,4 auf 16 Milliarden per Ende 2025. Aktuell sind es rund 17 Milliarden. Eine Besonderheit der Bank: Sie setzt gern auf Realwertanlagen und dabei speziell auch auf Investitionen in Infrastruktur.
Ganz ehrlich, Herr Reichmuth: Der moderne Bank-Kunde setzt selber auf digitale Tools und KI. Braucht es Sie noch?
Auch wenn Kunden heute vieles selbst recherchieren, braucht es eine Bank, die Informationen in einen sauberen, verantwortbaren Vermögensentscheid übersetzt. Digitale Tools liefern Daten, aber keine Haltung, keine Haftung und keine persönliche Einordnung über Marktzyklen hinweg. Gerade bei komplexen Vermögen bleibt menschliche Beratung mit echter Verantwortung zentral.
«Bei allem was wir empfehlen, investieren wir selber mit.»
Wo sind Sie besser bzw. was können andere nicht kopieren?
Wir bieten integrale Vermögensverwaltung, sind Pionier bei Vorsorgedienstleistungen und direkten Infrastrukturanlagen. Bei allem was wir empfehlen, investieren wir selber mit. Der Kern unseres Geschäfts ist die Verbindung von langfristigem Denken, persönlicher Verantwortung und echter Unabhängigkeit. Das lässt sich nur schwer kopieren, weil es nicht nur auf Prozesse, sondern auf Kultur, Haltung und Eigentümerstruktur beruht. Wir können besonders gut dort sein, wo Vertrauen, Kontinuität und hohe Individualität entscheidend sind.
Weshalb wird ihre Bank auch in fünf Jahren noch unabhängig sein?
Wir sind ein inhabergeführtes Familienunternehmen und alles ist auf Langfristigkeit ausgelegt mit stabiler Eigentümerstruktur. Wir verfügen über ein solides Fundament und die notwendigen Vorkehrungen, dass das auch so bleibt.
«Viele Kunden suchen heute nicht einfach Rendite, sondern ein ganzheitliches Verständnis.»
Was war in den letzten fünf Jahren die wichtigste Veränderung in ihrer Kundschaft?
Der Blick hat sich eher weg von kurzfristigen Effekten von Krisen wie Corona, Ukraine oder jetzt Iran hin zu mehr strategischen Anlagen verschoben. Viele Kundinnen und Kunden suchen heute nicht einfach Rendite, sondern ein ganzheitliches Verständnis von Vermögen, Familie, Nachfolge und Verantwortung. Die Fragen sind dadurch inhaltlich tiefer und strategischer geworden.
Was wollen die Leute heute vermehrt wissen?
Im Fokus der Fragen stehen Robustheit, Unabhängigkeit und geopolitische Risiken, die Währungsabsicherung und die richtige Balance zwischen Ertrag und Sicherheit. Früher stand oft die reine Anlagetaktik im Vordergrund, heute viel stärker die Frage, wie Vermögen über Generationen erhalten und sinnvoll strukturiert werden kann.
Welches Missverständnis über ihre Bank möchten Sie korrigieren?
Verbreitet ist die Meinung, dass eine unabhängige Privatbank klein, traditionell und etwas verstaubt sei. Als jüngste Privatbankiers verbinden wir persönliche Verantwortung, Unabhängigkeit und unternehmerisches Denken mit Drang nach Innovation und langjähriger Erfahrung.
Wie verhindern Sie, dass Regulierung und Kosten ihre Bank zu einer schönen, aber unprofitablen Boutique machen?
Wir sind keine Boutique im dekorativen Sinn, sondern ein fokussierter Partner für anspruchsvolle Vermögen. Klar ist: Wir fokussieren uns auf wenige Kernmärkte und Zielkundengruppen. Dazu kommt eine hohe Disziplin in der Angebotsbreite: Nur das selber anbieten, wo wir Kompetenzen haben und den Kunden im Vergleich zu Mitbewerbern Vorteile bieten können. Das schützt vor Verzettelung. Nicht jede Dienstleistung muss intern breit ausgebaut werden; entscheidend ist, ob es den Kunden einen direkten Mehrwert bietet und was zur eigenen Stärke passt.
«Wir wollen nicht um der Internationalität willen wachsen, sondern dort, wo sie fachlich und kulturell Sinn ergibt.»
Welche Kunden passen zu Ihnen?
Das sind Menschen mit langfristigem Horizont und dem Wunsch nach persönlicher, unabhängiger Betreuung. Besonders passend sind Unternehmerfamilien, Nachfolgefälle und anspruchsvolle Privatkunden, die Komplexität nicht selbst verwalten wollen, sondern verlässliche Begleitung suchen. Weniger passend sind rein transaktionsgetriebene oder ausschliesslich passiv orientierte Kundensegmente.
Wie wichtig bleibt der Schweizer Markt?
Hier sind unsere Wurzeln, hier sind unser Vertrauensvorsprung und unsere Positionierung am stärksten – deshalb bleibt er für uns sehr wichtig. Über drei Viertel unserer Kunden haben Domizil Schweiz, international fokussieren wir auf Deutschland und Österreich. Wir wollen nicht um der Internationalität willen wachsen, sondern dort, wo sie fachlich und kulturell Sinn ergibt.
* Max Fischer, aufgewachsen in Zürich, war für diverse Schweizer Medien als Wirtschaftsredaktor tätig (u.a. Blick, Cash, Berner Zeitung, Aargauer Zeitung, Zentralschweiz am Sonntag). Er hat sich unter anderem intensiv mit dem kriminellen Finanzjongleur Werner K. Rey befasst, den er im August 1992 an seinem Fluchtort auf den Bahamas aufspürte. In einer kleinen Serie beleuchtet Fischer den Schweizer Privatbanken-Sektor.
Lesen Sie im fünften und letzten Teil, weshalb viele Anleger weiterhin eine gewisse Scheu gegenüber Privatbanken haben.












